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Gymnasium Bamberg

Hochzeit des Figaro

Ein Bericht von Emma Ebralidze
Am Sonntag, den 30.04.23, fuhren wir, die Klassen 8e und 9c mit der Bahn nach Nürnberg. Das Thema Oper war (zumindest in den 9. Klassen) schon Anfang des Schuljahres im Musikunterricht durchgenommen worden, und nun wollten wir uns endlich eine klassische Opernaufführung auf der Bühne anschauen. Glücklicherweise konnte unsere Musiklehrerin Frau Friedrich uns sogar ermöglichen, eine Exklusiv-Führung durch das Opernhaus zu machen und somit hinter die Kulissen einer so aufwendigen Aufführung schauen zu können. Also fanden wir uns nach einer halben Stunde Stadtbummeln und Eis essen auf dem Vorplatz des Staatstheaters ein, wo sich uns auch schon die Musiktheaterpädagogin des Staatstheaters, Delia Evers, vorstellte, die mit uns die Führung unternahm. Zuerst führte sie uns in das Auditorium, den Zuschauerraum des Theaters. Hier lernten wir unter anderem, für welche vier klassischen Sparten das Gebäude genutzt wird: Opern, Ballett- und Theateraufführungen und Konzerte. Zudem erzählte Frau Evers uns Wissenswertes über die Baugeschichte des Opernhauses. Es besteht schon seit über 100 Jahren und wurde in dieser Zeit mehrfach umgebaut, beschädigt, wieder aufgebaut und saniert. Vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Aussehen des Theaters sichtbar verändert. Große Hakenkreuze befanden sich damals an Außenfassade und im Mittelteil des Zuschauerraumes und es gab sogar eine eigene Loge für den „Führer". Anschließend wurden wir in den Gluck-Saal ein Stockwerk höher geführt. Dieser wird vor allem für kleinere Veranstaltungen und als Aufenthaltsraum während Pausen genutzt. Auch dieser Saal hat schon einige Umgestaltungen hinter sich, wie uns Frau Evers mithilfe einiger alter Fotos zeigte.
Und nun kam der spannende Teil der Führung: Der Backstage-Bereich des Theaters. Denn hier befinden sich der komplette Kostümfundus, die Schneidereien, Proberäume, und die Maskenbildner-Abteilung. Es war wirklich unglaublich, die Anzahl der beeindruckenden Kostüme zu sehen. Nach Zeiten und Theaterstücken sortiert, füllten die Klamotten eine gute Etage des Gebäudes. Überraschend ist, dass die meisten Kostüme nur für eine Inszenierung genutzt werden. Außerdem wird einmal jährlich ein Kostümverleih veranstaltet, bei dem man ausgemusterte Kostüme und besondere Kleidungsstücke aus dem Theater erwerben kann.
Weiter ging es für uns in die Schneiderei. An dieser Stelle muss kurz angemerkt werden, dass wir uns während dieses Teils nur im sogenannten „Damen-Trakt“, also beispielsweise der Damenschneiderei, der Damen-Maskenbildnerei, den Damen-Kostümen usw. befanden. Dort wird ausschließlich die Bühnenausstattung für Damen genäht und aufbewahrt, es werden Damen-Perücken geknüpft und Damenhüte gefertigt. Natürlich gibt es die entsprechenden Räume noch einmal für die Männerkostüme und -ausstattung auf der anderen Theaterseite. Auch die Schneiderei war beeindruckend. An den Wänden hingen Kleiderentwürfe, es gab ältere und neuer aussehende Nähmaschinen und alle erdenklichen Arten von Stoffen. Frau Evers meinte sogar, dass die Möglichkeit besteht, ein Praktikum in dieser Abteilung des Staatstheaters zu machen, was eine sehr gute Gelegenheit darstellt, um in handwerkliche Theaterberufe wie diesen hinein zu schnuppern. Außerdem werden Auszubildende in den Theaterwerkstätten u.a. in den klassischen Theaterberufen z.B. in der Perückenmacherei, der Damenschneiderei, der Maske, aber auch als Bühnentechniker und Bühnenbildner ausgebildet.
Zuletzt wurden uns die Verwaltungsbüros gezeigt. Anschließend verabschiedeten wir uns auch schon von Frau Evers und bedankten uns für die tolle Führung, die uns viele spannende Einblicke in die Vielzahl von Tätigkeiten und Arbeiten hinter der Bühne gegeben hat.
Nun blieb noch etwas Zeit bis zum Beginn der Aufführung. Wir gingen zurück in den Eingangsbereich des Staatstheaters wo auch die 10. Klasse von Herrn Klehr zu uns stieß. Langsam begann sich das Gebäude mit vornehm gekleideten Menschen zu füllen. Optional konnte man sich nun 30 Minuten vor der Vorstellung im Gluck-Saal eine Einführung zu Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ anhören, in der die Zuschauer vom Regisseur Wissenswertes über die Handlung sowie die aktuelle Inszenierung und das Bühnenbild der Oper erfuhren.
Und dann begaben wir uns auch schon auf unsere Plätze - übrigens sehr gute im vorderen Parkett, teilweise sogar in der 1. Reihe mit direktem Blick in den Orchestergraben - und warteten gespannt, bis die Lichter ausgingen. Anfangs war es nicht ganz so einfach, bei der Handlung mitzukommen, da man wegen der italienischen Sprache der Oper parallel die Untertitel auf kleinen Bildschirmen mitlesen musste, um alles möglichst gut zu verstehen. Aber nach und nach klärten sich Fragen. Die Inszenierung war eher modern, sowohl von der eher sinngemäßen lustigen und sehr gegenwartsprachlichen Übersetzung der Texte als auch von den Kostümen.
Grundsätzlich geht es in der Oper um Treue, Machtkämpfe und Vertrauen. Der Graf will Susanna, die eigentlich mit Figaro, dem Diener des Grafen, zusammen ist, verführen und verhindern, dass diese Figaro heiratet. Jedoch kriegt seine Frau, die Gräfin, Wind davon und verbündet sich mit Susanna, um den Grafen auszutricksen. In der weiteren Handlung geschehen noch einige verwirrende Dinge und das Netz aus Lügen wird größer, als weitere Personen wie Cherubino, der Page des Grafen, hinzukommen und versuchen, die anderen zu ihren eigenen Gunsten auszutricksen. Neben der eigentlichen Handlung wollte Mozart aber auch die Machtverhältnisse zwischen Adel und einfachem Volk kritisieren, die damals herrschten.
Die Solisten waren wie erwartet großartig und selbst, wenn man die Handlung an manchen Stellen nicht immer direkt verstand, konnte man sich den wunderbaren Klängen hingeben. Auch das Orchester trug natürlich seinen Teil dazu bei. Man mag es manchmal vergessen, aber die Instrumente sind bei einer Oper ja neben den Stimmen das wichtigste Element. Nur dass man sie während der Aufführung eben meist nicht sieht, da das Orchester im Orchestergraben sitzt.
Zum Schluss gab es natürlich minutenlang Applaus für die tolle Vorstellung. Anschließend machten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg und fuhren mit dem Zug zurück nach Bamberg. Insgesamt war es ein toller Ausflug, der nicht nur Spaß gemacht, sondern uns auch ein wenig in die Welt des Theaters eingeführt hat. An dieser Stelle vielen Dank an Frau Friedrich und die mitfahrenden Lehrkräfte, dass sie uns so eine preisgünstige Opernfahrt ermöglichen konnten.

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