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Gymnasium Bamberg

Von Bamberg nach Tartu

 

Als Schüler der 11. Klasse des ETA-Hoffmann-Gymnasiums Bamberg bot sich für uns die einmalige Gelegenheit, im Rahmen einer Erasmus-Mobilität weit in den Nordosten Europas zu reisen. Unser Ziel war Tartu, die zweitgrößte Stadt Estlands und pulsierende Universitätsstadt. An unserer dortigen Partnerschule, dem Jaan Poska Gümnasium, durften wir in den Schulalltag unserer Gastschülerinnen Elis und Kätriin eintauchen. Im Gepäck hatten wir nicht nur Vorfreude, sondern auch konkrete Rechercheaufträge zur Schulorganisation, um das estnische System mit dem unserer Heimatschule zu vergleichen.

Der estnische Schulalltag hielt einige Überraschungen und auffallende Unterschiede für uns bereit. Schon beim Betreten der Klassenzimmer fiel uns die reibungslos funktionierende, moderne Technik auf: Einwandfreies Internet, Beamer, Laptops und die gezielte Einbindung von Smartphones und Apps gehören dort ganz selbstverständlich zum Standard. Das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Lernenden ist von einer bemerkenswerten Mischung aus Eigenverantwortung und Respekt geprägt. So dürfen Schüler den Raum für Toilettengänge eigenständig verlassen oder ihre Trinkflaschen auf dem Tisch platzieren. Aufgestanden wird zur Begrüßung nur noch selten. Während der Unterricht oft klassisch frontal abläuft und die Jugendlichen dazu anregt, selbstständig Notizen zu machen, ist das Prüfungssystem völlig anders als bei uns. Unangekündigte Stegreifaufgaben – die berüchtigten bayerischen „Exen“ – gibt es nicht. Stattdessen wird der Stoff in einzelnen Fächern über fünf Semester in einem Schuljahr kontinuierlich erarbeitet, worauf jeweils eine intensive Prüfungswoche folgt. Diese Struktur bereitet hervorragend auf das spätere Universitätsleben vor. Auch die Verpflegung in der Mensa beeindruckte uns: Jeden Tag gibt es für alle ein günstiges, vollwertiges Mittagessen mit verschiedenen Optionen von Fleisch bis vegan sowie einer reichhaltigen Topping-Bar. Ein kleiner Wermutstropfen blieb beim Umweltschutz, denn obwohl der Abfall auf den Gängen getrennt wird, fehlt diese Mülltrennung in den einzelnen Klassenzimmern noch völlig.

Abseits des Unterrichts erlebten wir eine große Gastfreundschaft. Unsere Gastfamilien nahmen uns herzlich auf, und wir fanden sofort Anschluss an den Freundeskreisen unserer Gastschülerinnen. Da wir kein Estnisch sprechen, kommunizierten wir auf Englisch – was für unsere Gastgeber überhaupt kein Problem darstellte. Ihr Sprachniveau war nahezu perfekt; Elis hatte kurz zuvor sogar den zweiten Platz bei einem landesweiten Sprachwettbewerb belegt.

Gemeinsam gestalteten wir eine abwechslungsreiche Freizeit. Wir erkundeten die historische Innenstadt von Tartu mit ihren gemütlichen Cafés und besuchten das Estnische Nationalmuseum, das uns tiefe Einblicke in die reiche Geschichte, Kultur und die Traditionen des Landes schenkte. Ein besonderes kulturelles Highlight war dort der Besuch eines Konzerts eines estnischen Künstlers. Neben gemeinsamen Spieleabenden und einem Ausflug in das malerische Städtchen Viljandi, unternahmen wir am Wochenende auch individuelle Touren: Luise reiste mit Elis auf die landschaftlich wunderschöne und naturbelassene Insel Saaremaa, während ich mit Kätriin den Biathlon-Weltcup im Wintersportort Otepää besuchte und dort die mitreißende sportliche Atmosphäre hautnah miterleben durfte.

Am Abreisetag rundete eine Stippvisite in der estnischen Hauptstadt Tallinn unsere Reise ab. Die mittelalterliche Altstadt bot einen wunderbaren Kontrast zur modernen Tech-Metropole. Mit unzähligen neuen Eindrücken, erweiterten Sprachkenntnissen und vor allem neuen Freundschaften im Gepäck traten wir die Heimreise nach Bamberg an. Diese Erasmus-Erfahrung hat uns gezeigt, wie bereichernd der Blick über den eigenen Tellerrand ist, und wird uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Wir freuen uns bereits auf den Gegenbesuch unserer Gastschülerinnen im Mai in Bamberg.


Luise Merseburger, 11b

Leonhard Schilling, 11a