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“We may be in a slum, but the slum is not in us!”

Vor den Ferien hatten die Schüler*innen der Geo-Kurse des Clavius- Gymnasiums und des ETA-Hoffmann Gymnasiums die Gelegenheit zum Thema Megaurbanisierung im globalen Süden, das im Lehrplan der 12. Klasse großen Raum einnimmt, neue Perspektiven kennenzulernen.
Prof. Dr. Eberhard Rothfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Sozial- und Bevölkerungsgeographie der Universität Bayreuth, gewährte den Zuhörer*innen Einsichten in seine Feldforschung in verschiedenen Megastädten des globalen Südens und ging der Frage nach, was wir von „Slums“ lernen können.
Mit geschätzten 1,7 Mio. Menschen, die weltweit in Slums leben, handelt es sich bei dieser Siedlungsform keinesfalls um eine Randerscheinung. Vom größten Slum Afrikas, Makoko in Lagos/Nigeria beispielsweise, wird erwartet, dass dort bis 2100 in etwa 80 Mio. Menschen leben werden, also so viele wie heute in ganz Deutschland.
Vom Begriff „Slum“ mit all seinen negativen Konnotationen distanzierte sich Herr Rothfuß allerdings deutlich. Vielmehr sprach er von informellen Arbeitersiedlungen, in denen die Einwohner ein Hochmaß an Kooperation, Kommunikation, zivilgesellschaftlichem Engagement und Privatinitiative leisten, um ihr Leben in einem Gebiet mehr oder weniger außerhalb staatlicher Unterstützung und Kontrolle zu meistern. Die Megacity Lagos hat pro Jahr einen Bevölkerungszuwachs wie München in den letzten 20 Jahren. Dass dabei die bekannten Probleme wie unzureichende Ver- und Entsorgungseinrichtungen und Infrastruktur, Kriminalität und unzureichende Wohnverhältnisse auftreten, ist unleugbar und unvermeidlich.
Hier tritt die dem Wachstum immanente Ambivalenz zu Tage: einerseits sind die Megastädte des globalen Südens Zentren von Konflikten, Risiken und Spannungen, andererseits aber auch der Innovation, der Kreativität und der Problemlösung.
Aufgrund der Ressourcenknappheit sind die Einwohner gezwungen, pragmatische Lösungen für Alltagsprobleme zu finden und genau hier können wir von den Bewohnern von Slums lernen: kreative, pragmatische Lösungen für lokale Probleme der Ressourcenknappheit im intensiven sozialen Austausch zu finden, die sich im Idealfall auch auf höhere Ebenen übertragen lassen. Da die größten Probleme der Menschheit v.a. im Städten entstehen bzw. entstanden sind, müssen die globalen Probleme auch in Städten gelöst werden.
„Slums“ sind übrigens ursprünglich ein europäisches Phänomen. Im Zuge der Industrialisierung bildeten sich unter dem Zustrom einer Vielzahl von Arbeitskräften aus dem ländlichen Raum zuerst in den industriellen Zentren Großbritanniens wie Manchester oder Liverpool informelle Siedlungen, in denen die Menschen unter ähnlichen Bedingungen lebten wie in den „Slums“ des globalen Südens heute.

 

 

 

 

 

 

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