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Gymnasium Bamberg

Geographie Exkursion

Ende Januar hatten interessierte Geograph*innen der beiden Kurse aus der Q12 die Gelegenheit, mit ihren Kursleitern das Ankerzentrum in Bamberg zu besuchen. Der stellvertretende Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung, Herr Österlein, führte uns am Nachmittag über das Gelände, wodurch wir einen Einblick in einen sonst verschlossenen Teil der Stadt bekamen! Wir haben Informationen zur Organisation, zum Tagesablauf und Fakten über die Einrichtung erhalten und konnten die wichtigsten Räume, wie den Speisesaal und die eigene Schule besichtigen.
Die vielen Eindrücke, die wir gewinnen konnten, haben wir hier gesammelt.

„Es war sehr interessant und aufschlussreich,
Ich wusste nicht, dass es verschiedene Unterbringungsareale je nach Herkunftsland gibt. In dem Zusammenhang fand ich es sehr interessant, zu hören, wie viele kulturell spezialisierte Mitarbeiter es braucht, um Missverständnissen vorzubeugen. Auch die Unterteilung der Gebäude in Behörde und Wohnsiedlung oder in Frauenhaus und Familienhäuser war spannend. 16 Menschen in einer Wohnung (mit nur einem Badezimmer) klang jedoch überaus erschreckend!“

„Besonders bemerkenswert fand ich, dass im Ankerzentrum, trotz häufig unterstellter Vorurteile, ein harmonisches und friedliches Miteinander besteht. Zumindest den Großteil der Zeit. Dieses „Miteinander“ gibt es auch bei Gruppen, bei denen sich ein Konfliktpotential aufgrund der politischen Lage in den Heimatländern vermuten ließe. Somit bleiben die häufig unterstellten Vorurteile eben nur Vorurteile.“

„Ich fand es sehr interessant etwas über die Spezialisierung der jeweiligen Ankerzentren auf verschiedene Herkunftsländer der Bewohner zu erfahren, um z.B. Übersetzer bereitstellen zu können und an einem Ort die an den Asylverfahren beteiligten verschiedenen Ämter zu konzentrieren. Ich fand es zudem schön, dass wir uns einmal die Wohnungen anschauen konnten und uns im Gesamten mal ein Bild der Anlage machen konnten. Was mich zudem überrascht hatte, war die demografische Aufteilung der Bewohner, deren weitaus größten Anteil Familien ausmachen, gefolgt von allein angekommenen Männern und etwas weniger allein angekommene Frauen. Ich dachte es wären prozentual deutlich mehr Männer.“

„Für mich war es etwas befremdlich als privilegierte Schulklasse eines Gymnasiums durch das Gelände des Ankerzentrums zu gehen und sich anzuschauen wie die Leute dort leben. Deshalb habe ich mich etwas unwohl gefühlt. Es hat sich ein bisschen so angefühlt, als würde man “von oben” herab darauf schauen. Trotzdem fand ich es sehr interessant, wie das Leben/ die Organisation dort abläuft und muss sagen, dass ich von den Lebensbedingungen positiv überrascht war.“

„Das Ankerzentrum wurde uns als willkommene Abwechslung zu einer Behelfsunterkunft in beispielsweise einer Turnhalle präsentiert; allerdings wird dort wohl nicht im Übermaß gelebt, wie viele Migrationsskeptiker vorwerfen. Der monatliche Lebensunterhaltsetat beträgt 150€ und man lebt bis zu zehnt in einer durchschnittlichen Kleinfamilienwohnung ohne Küchenausstattung. Kein Luxusleben, aber wir spürten die Dankbarkeit in der Einrichtung, nicht dafür, wie man lebt, sondern dass man lebt.“

"Als wir durch das Sicherheitsterminal des Ankerzentrums Bamberg geführt wurden, bekam ich sofort ein mulmiges Gefühl. Das gesamte Gelände war von Stacheldrahtzäunen umringt, was auch der Auslöser einer Frage bei einer Mitschülerin war: Ob das hier ein Gefängnis sei?
Das wurde schnell abgestritten, weil die Bewohner*innen sich natürlich jederzeit außerhalb der Zentrums aufhalten können. Mich hat trotzdem dieses beengende Gefühl von Eingesperrtsein nicht mehr losgelassen. Ehrlichgesagt stellt eine derartige von dem Rest der Stadt separierte Unterbringung von geflüchteten Menschen für mich das Gegenteil von Integration und einem sinnvollen Miteinander dar. Das Leben der Menschen, die als Bürger*innen Bambergs im Ankerzentrum wohnen, läuft parallel zu unserem Alltag ab. Berührungspunkte gibt es kaum. Gerade deshalb bin ich sehr froh, dass die Geo-Kurse der Q12 sich dazu entschieden haben, sich das Ankerzentrum einmal anzuschauen, damit wir eine Vorstellung von den Stationen im Asyl-Aufnahmeverfahren bekommen. Unser Besuch hat bei mir dafür gesorgt, dass ich mir vermehrt Gedanken über Asylpolitik und die Situation von Geflüchteten in Deutschland gemacht habe."


Text: G. Spitzenberger

Foto: Google Earth

 

 

 

 

 

 

 

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